Die Hauptdarstellerin war wieder diese wunderbare Sängerin vom letzten Mal: Sarah Maria Sun. Die Aufführung war in der Reithalle: ein großer, dunkler Raum, der mit Bühnenelementen bestückt war: einem Glaskasten in der Mitte, mit einem Bett darin, verschiedene kleinere Bühnen, links das Orchester, in der Front saß der Chor. Am Eingang bekam man einen Hocker in die Hand gedrückt und konnte sich platzieren, wo man wollte.Die Vorübergehenden
Musiktheater von Nikolaus Brass in zwei Teilen und einem Epilog mit Texten von Tomas Tranströmer, Rose Ausländer und Mahmout Darwish
Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper
Unangekündigt und ungerufen, in einem Moment ruhelosen Stillstands mitten auf der Reise namens Leben brechen über einen Mann Erinnerungen an längst vergessene Geschehnisse herein. Vor allem Gesichter und Stimmen von Menschen, die ihm einmal nahestanden, tauchen wieder auf, zunächst bruchstückhaft, dann in immer deutlicheren Szenen und Bildern: eine Geliebte, die ihn verlassen hat, ein Flüchtling, dem er nicht helfen konnte, sein Kind, dem gegen- über er genauso versagt hat wie einst seine eigenen Eltern, deren erbärmlicher Welt er den Rücken kehrte. Trotz seines sprechenden Namens – Nikolaus Brass bezeichnet seinen Protagonisten als „Der Liebende“ – muss er schmerzlich feststellen, dass es ihm nicht gelungen ist, sich diesen Menschen restlos zu öffnen. Nachdem er sich gegen den Besuch der Vorübergehenden anfänglich wehrt, nimmt er ihn mehr und mehr zum Anlass für eine schonungslose Selbstbefragung darüber, was sein Leben ausmacht. In Nikolaus Brass’ Musiktheater für sieben Solisten, zwölfstimmigen Chor und Kammerorchester wird das Leben als Geflecht flüchtiger Begegnungen und unvollendeter Beziehungen erfahrbar – als Klangraum, in dem das Publikum mal die Perspektive des Liebenden und mal die des Vorübergehenden einnimmt und Vergangenheit und Gegenwart auf utopische Weise zusammenfließen.
Überall waren Kameras die das Geschehen, das man von seinem Platz aus nicht sehen konnte, auf Großleinwände übertrugen. Und obwohl die gesungenen Texte dort zu lesen waren, habe ich insgesamt nicht viel verstanden. Aber es war egal. Irgendwie war das Ganze interessant und rätselhaft und immer wieder gab es Momente, die berührend waren, auch wenn ich nichts verstand. Ich nahm irgendwann meinen Hocker und setzte mich mehr ins die Mitte. Es war grundsätzlich erlaubt, herumzuwandern, was erstmal aber niemand tat. Und dann stand die wunderschöne Sängerin irgendwann hinter mir, legte mir die Hand auf die Schulter, sang, ging dann weiter und fing an, die Leute zum Aufstehen und mitkommen zu bewegen. Nach und nach kam Bewegung ins Pubklikum - wie ein langsames Wogen ging es das durch den Raum. Auch der Chor und die anderen Sänger, teileweise auch Musiker, wanderten umher und zogen Zuschauer mit sich.
Plötzlich saß R neben mir - eine alte Bekannte aus Marburger Zeiten! Sie flüsterte mir zu, dass sie mich grade auf der Leinwand gesehen hatte, mit der Sängerin, und dass sie hier zuständig für die Kostüme sei. Sie ist ja schon ewig Gewandmeisterin bei der Oper in München, früher in Marburg hat sie für unsere Theatergruppe Kostüme gemacht.
Es war ein sehr netter Nachmittag. Ich ging noch mit J und A6 zu einem Griechen, wo J, der schon meinen Apfel als Rettung in letzter Not bekommen hatte, ein Gulasch herunterschlang.











