Mittwoch, 9. Mai 2018

Kapitulation

Heute war ich mit J im Hofgarten verabredet. Wir wollten was essen und dann in die Akademie der Schönen Künste, wo es ein Konzert von Rolf Riehm gab und ein Gespräch mit dem Komponisten und Nikolaus Brass.
Ich war früh dort und wanderte ein wenig umher. Es ist so friedlich dort unter den Bäumen, wo die Boulespieler ihre Tage verbringen und sich ganz wenig Touristen verirren. 



Nach dem Gewitterregen.










Hinten, an dem Gedenkstein der Juden, versammelten sich Menschen, die Schilder und Blumen trugen. Ich ging hin und fragte, man sagte mir, sie seien Russen und feiern den 6. Mai: das Ende der Nazi-Herrschaft. Sie trugen Fotos von Gefallenen und teilweise auch deren Kappen. Die Kinder waren festlich gekleidet und die Mädchen hatten Blumen im Haar. Später sahen J und ich, wie sie in eine kleinen Zug davonzogen, Richtung Marienplatz.





 WIKIPEDIA
Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, die zum Ende der militärischen Feindseligkeiten der Alliierten gegen das nationalsozialistische Deutsche Reich führte, wurde nach erfolglosen Verhandlungsversuchen der deutschen Seite vom 6. Mai in der Nacht zum 7. Mai 1945 im Obersten Hauptquartier der Alliierten Expeditionsstreitkräfte in Reims unterzeichnet und trat am 8. Mai um 23:01 Uhr MEZ in Kraft. Die Kapitulations­erklärung wurde aus protokollarischen Gründen in Berlin-Karlshorst im Hauptquartier der sowjetischen 5. Armee am 8./9. Mai wiederholt; die formale Wiederholung war rechtlich bedeutungslos, wurde von sowjetischer Seite aber dennoch als abschließende Ratifikation inszeniert und wird wesentlich häufiger für historische Darstellungen herangezogen als die rechtlich wirksame Kapitulation von Reims.

Auch nach der bedingungslosen Kapitulation waren Teile der Wehrmacht noch in verschiedenen Ländern aktiv, nicht entwaffnet oder nicht unter alliiertem Kommando.

Die vier Hauptsiegermächte schlossen am 5. Juni 1945 ein Abkommen, das als Berliner Erklärung bekannt wurde und mit dem sie die oberste Regierungsgewalt auf dem Gebiet des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 übernahmen. Die Kapitulation und die Berliner Erklärung bildeten die Grundlage für den Viermächte-Status, nach dem die Alliierten bis zur deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 für „Deutschland als Ganzes“ verantwortlich blieben.

J und ich gingen dann rüber zum Haus der Kunst und ich aß wieder die wunderbare Kartoffelsuppe mit der scharfen Wurst, die ich immer dort esse.



Er war kürzlich in Südtirol und erzählte ein bisschen von schwierigen Geschichte. Die Deutschen dort wurden teilweise ja ins Deutsche Reich umgesiedelt, als es italienisch wurde und mir fiel ein, dass in Auschwitz eine Musterstadt für sie gebaut worden ist. Erst später kam das KZ dorthin.

Himmler war in seiner neuen Funktion als Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums im Oktober 1939 von Hitler mit weitreichenden zusätzlichen Kompetenzen ausgestattet worden, um in den westpolnischen Gebieten die Ansiedlung von Deutschen und Deutschstämmigen unter gleichzeitiger Aussiedlung der "rassisch minderwertigen" einheimischen Bevölkerung in die Wege zu leiten. Auschwitz sollte im Zuge des ersten Umsiedlungsvorhabens, das Himmler plante, zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Deutschen aus Südtirol werden. Die Voraussetzung dafür war, dass Juden und Polen aus der Stadt "entfernt" würden, eine Forderung, die von der Südostdeutschen Forschungsgemeinschaft in Wien gestützt wurde. Die dort tätigen Raumplaner, Architekten, Historiker und Anthropologen waren für die landeskundliche und kulturwissenschaftliche Begleitforschung der nationalsozialistischen Umsiedlungspolitik zuständig.

Die Pläne für Auschwitz aber wurden nicht spruchreif, denn nach dem Sieg über Frankreich favorisierte Himmler Burgund als neuen Siedlungsrayon für die Südtiroler (später kamen die Untersteiermark und auch die Krim ins Gespräch), und in der Region um Auschwitz kristallisierte sich heraus, dass die "Eindeutschung" nicht so problemlos vonstatten ging wie erwartet. Der gesamte östliche Teil des Regierungsbezirks Kattowitz, "Oststreifen" genannt, erwies sich wegen seiner nahezu ausschließlich polnischen und jüdischen Bevölkerung als schwer "einzudeutschen".

Während das Konzentrationslager entstand, schritt der Aufbau der deutschen Verwaltung in der Stadt indessen voran, und das Alltagsleben der zuziehenden deutschen Bewohner - unter ihnen nun auch zahlreiche Angehörige der Lager-SS - nahm seinen Lauf. Hatte die Stadt aufgrund ihrer "rassischen" Struktur und ihrer Zugehörigkeit zum territorialrechtlich inferioren "Oststreifen" für die nationalsozialistische "Germanisierungspolitik" bis dahin nur eine marginale Rolle gespielt, wandelte sich die Bedeutung von Auschwitz im Siedlungsprogramm im Frühjahr 1941 mit der Errichtung der IG-Farben-Werke.

Der Fabrikbau war eines der teuersten, größten und ehrgeizigsten Investitionsprojekte des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg. In atemberaubendem Tempo setzte nunmehr eine industriegeleitete Städtebaupolitik ein, in deren Gefolge Auschwitz zur "Musterstadt" der Ostsiedlung wurde, anders gesagt: zum Modellobjekt bei der "Eindeutschung" des eroberten Lebensraums. Die IG Farben, das wichtigste deutsche Privatunternehmen und eine der größten Chemiefabriken Europas, erfüllte mit der Errichtung des Werkes nicht nur ein vordringliches wirtschaftspolitisches Ziel der Reichsregierung, sondern auch deren dezidierten bevölkerungspolitischen Auftrag, am Ostrand des Deutschen Reiches ein "Bollwerk des Deutschtums" zu errichten. Das Leitmotiv der Firmenpolitik war die profitable Verbindung von rassenideologischen Dogmen und ökonomischen Interessen.

Das Konzert in der Akademie war mäßig besucht. A war schon dort mit ihrem Freund und hielt uns Plätze frei. Der Abend wurde ein Fiasko für mich, mir bleibt diese Musik einfach total und ganz und gar fremd und unzugänglich. Sie berührt mich in keinster Weise, obwohl ich mir die allergrößte Mühe gab, konzentriert zuzuhören. Dadurch erschien mir dann auch das Gespräch der Komponisten unverständlich. Wenn man keinen Zugang hat zu etwas und von außen darauf schaut, hat das etwas Unheimliches. Vielleicht so, als wenn man als Ungläubige den Papst anschaut mit diesen eigenartigem lila Gewand und der seltsamen Kopfbedeckung und nur einen alten Mann in absurder Verkleidung sehen kann. Ich litt. Und nach dem Konzert hatten J und ich einen furchtbaren Streit, weil er begeistert war von der ganzen Sache und meine Ablehnung ihn aufbrachte. Ich verstehe schon, dass ich als Außenstehende mich nicht abfällig äußern darf über etwas, was ich nicht verstehe. Menschen mögen und tun seltsame Dinge. Da muss ich noch dran arbeiten, das so stehen lassen zu können.


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