Freitag, 14. September 2018

Unstern


Heute war ich in dem Stück von Rs Sohn, im Schwere Reiter.

Das Münchner Feuilleton schrieb:
Kurt Jooss war dreizehn, als seine beiden Brüder in den Ersten Weltkrieg zogen. Die Kriegsverherrlichung beim »Abschied« hat er in seinem Welterfolg »Der grüne Tisch« (1932) im Auftritt des Fahnenträgers verdichtet.
Nun hat sich der Münchner Choreograph Moritz Ostruschnjak intensiv eingearbeitet in den Hurra-Patriotismus, die Gewalteuphorie und den nationalen Chauvinismus am Beginn des Krieges – auch wenn die Jubiläumsdaten verstrichen sind und das Thema publizistisch ausgewertet scheint.
Ostruschnjak widmet sich in »Unstern« (Premiere am 13. 9. im Schwere Reiter) der inneren Logik dieser europäischen Katastrophe, bestimmt von Aggression, kollektiv ausgeübter Gewalt sowie von Verunsicherung und Auflösung.
Mitgearbeitet am neuem Werk haben wieder Gabriela Bendini, Trainingsleiterin und stellvertretende Ballettdirektorin am Gärtnerplatztheater, und die großartigen Tänzer Eli Cohen, Antoine Roux-Briffaud, Gaetano Badalamenti und Lazare Huet. Dieser Krieg ist für Ostruschnjak ein Bild für den grundlegenden Wandel, dem unsere Gesellschaft heute unterliegt.
Die SZ schrieb:
Ästhetisch will Ostruschnjak "dem Thema der Moderne eine fast klassisch, minimalistische Anmutung" gegenübersetzen, "Euphorie, Ektase und Zusammenbruch stehen dabei unmittelbar beieinander".
Ich war lange nicht mehr in einer Tanz-Performance - es war schön und interessant und unterhaltsam, aber für mich bleibt es zu abstrakt, es übersetzt sich nicht in ein Gefühl. Ich kenne ja aus eigener Erfahrung die Tanzimprovisation und erkannte viele Trainingselemente wieder. Man hat da so eine bestimmte Körpersprache, die sich zum Teil dann schnell selbst genügt. Sehr schön, auch tolle Ideen, aber es bleibt ein ästhetischer Genuss und berührt mich nicht emotional.
Ich denke immer wieder, es muss eine wirkliche Idee, ein Anliegen da sein, das eine Gestalt verlangt. Das sehe ich fast nie bei moderner Kunst, egal, in welcher Form. Es bleibt alles so nett und beliebig, so harmlos. Sie sollten mal die Klimaforscher eine Tanzperformance machen lassen, DA käme was raus...


Hinterher erzählte R, dass bei der Produktion unheimlich viel schiefgelaufen ist: ein Tänzer fiel durch eine schlimme Verletzung nach zwei Tagen aus, ein Musiker sprang ab, weil der Raum nicht genug Publikum fasst, jemand verschwand nach kurzer Zeit mit seinem Gagenvorschuss und lauter so Sachen. Deshalb haben sie das Stück umbenannt: von Glück zu Unstern.

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