Die Veranstaltung hat mich dann allerdings schockiert.
Referentin war erstmal Angelika Heimerl vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Projektleiterin "Zukunftsschau München 2040+". Danach hat ein Kollege von ihr Fragen beantwortet.
Die Einwohnerzahl Münchens soll bis 2030 auf 1,8 Millionen ansteigen; die Wirtschaft brummt. Viele Menschen, insbesondere aus den Dienstleistungsberufen, können sich die Stadt wegen der exorbitanten Mietpreissteigerungen kaum noch leisten. Einen Kita-Platz zu finden hat sich zum Lotteriespiel entwickelt. Gleichzeitig ist München die Stadt mit den größten Stauzeiten. Die Lärm- und Abgasbelastung übersteigt in vielen Straßenabschnitten die Grenzwerte erheblich. Die Herausforderungen für die Stadtpolitik sind gewaltig.Ihr Vortrag war schon so seltsam uninspiriert und inhaltslos. Die Botschaft war: es gibt viele widersprüchliche Interessen, die sollte man möglichst unter einen Hut bringen, das kann man aber nicht, aber wir geben uns trotzdem Mühe. Am Ende wusste man genau so viel wie vorher: München ist zu voll (dicht besiedelste Stadt von Deutschland), hat zuviele Autos (am meisten Autos pro Kopf von Deutschland) und die Wirtschaft wächst und wächst (am meisten von Deutschland). Mal kucken, was dabei rauskommt, sagen sich diese Stadtplaner. Bloß nicht einmischen!
Außerdem muss sich der Stadtrat an den im Nachhaltigkeitsbericht "München 2014" ausführlich dargestellten Trends der Nachhaltigkeitsindikatoren messen lassen.
Das Planungsreferat hat vor einiger Zeit eine Zukunftsschau "München 20140+" in Auftrag gegeben, bei der auf der Basis von Trendanalysen drei Szenarien auf hohem, fachlichem Niveau umfassend durchgespielt wurden:
Scenario 1: München - sauber reguliert
Scenario 2: München - hart kalkuliert
Scenario 3: München - charmant unsortiert
Im Scenario 1 finden sich Ansätze für eine nachhaltige Entwicklungspolitik. Dagegen werden in Scenario 2 primär wirtschaftliche Interessen verfolgt. Das Scenario 3 beschreibt in eleganter Weise, ohne es ausdrücklich so zu benennen, die derzeit vorherrschende Stadtpolitik. Welche Politik die jeweilige Stadtratsmehrheit künftig verfolgen wird, wird auch davon abhängen, was seitens der Zivilgesellschaft vom Stadtrat eingefordert wird.
Sie gaben eine Studie beim Fraunhofer Institut für Arbeitsorganisation und Bauordnung in Auftrag, die entwickelte diese drei Szenarien. Die haben sie sich durchgelesen und mit ihren eigenen Papieren verglichen. Keins von ihren Papieren stimmte mit einem der drei Szenarien überein.
Aber es ist eh wurscht, denn ihre Haltung ist: die Bürger/innen wollen eh nicht mitbestimmen, die holst du eh nicht hinterm Ofen vor. Ändern kannst du eh nichts, weil die Bürger/innen ihren Lebensstil eh nicht ändern wollen. Die Gesetzeslage ist eh so, dass du eh nichts machen kannst.
Eh?!
DIESE STADT HAT KEINEN PLAN!
Das nennen sie "charmant unsortiert" - ich finde das entsetzlich. Es kamen scharfe Fragen aus dem Publikum von gut informierten Leuten - die wurden abgewimmelt. Denn: man kann eh nix machen. Sowieso. Ist ihre charmante Politik. Brutal.






