Donnerstag, 30. August 2018

Musil

Ich lese grade mal wieder Der Mann ohne Eigenschaften, von Robert Musil. Dabei fiel mir ein: diese beiden Bände waren vor zwanzig Jahren schon mal mit mir in Australien! Das war damals meine Reiselektüre. Ich habe es nie fertiggelesen, mal sehen, wie weit ich jetzt komme.


Im Internet steht:
Bereits 1904 hatte der österreichische Militär, Ingenieur, Philosoph und Dichter Robert Musil erste Notizen angefertigt, und noch an seinem letzten Lebenstag, am 15. April 1942, beugte er sich über die insgesamt 11.000 Seiten des schriftlichen Nachlasses zu diesem Romangebirge.
Eine schöne Zusammenfassung mit Playmobil-Figuren (Musil in 14 Minuten) gibt es hier >>.

Ich bin absolut fasziniert davon, wie klar er die Welt gesehen hat. Er lässt nichts ungedacht, unbeachtet, unbeschrieben und die ganze Zeit fährt er wie mit einem Rasiermesser hinein und seziert sie - die Welt -  in allerfeinste Scheiben. Das zwingt mich zum Langsamlesen und zum Grübeln. So richtig schnell vorwärts geht es nicht.
Aber wenn man sich das mal überlegt, was er hier schreibt ohne etwas von der Digitalisierung zu wissen, dann kann es einen schaudern:
Man braucht wirklich nicht viel darüber zu reden, es ist den meisten Menschen heute ohnehin klar, daß die Mathematik wie ein Dämon alle Anwendungen unseres Lebens gefahren ist. Vielleicht glauben nicht alle diese Menschen an die Geschichte vom Teufel, dem man seine Seele verkaufen kann; aber alle Leute, die von der Seele etwas verstehen müssen, weil sie als Geistliche, Historiker und Künstler gute Einkünfte daraus beziehen, bezeugen es, daß sie von der Mathematik ruiniert worden sei und daß die Mathematik die Quelle eines bösen Verstandes bilde, der den Menschen zwar zum Herrn der Erde, aber zum Sklaven der Maschine mache. Die innere Dürre, die ungeheuerliche Mischung von Schärfe im Einzelnen und Gleichgültigkeit im Ganzen, das ungeheure Verlassensein des Menschen in einer Wüste von Einzelheiten, seine Unruhe, Bosheit, Herzensgleichgültigkeit ohnegleichen, Geldsucht, Kälte und Gewalttätigkeit, wie sie unsre Zeit kennzeichnen, sollen nach diesen Berichten einzig und allein die Folge der Verluste sein, die ein logisch scharfes Denken der Seele zufügt!

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