Samstag, 18. August 2018

Deutsch




Ich bin jetzt am Samstagvormittag immer im Gasteig, in der Bücherei, wo für zwei Stunden ein offener Sprachtreff angeboten wird für Leute, die Deutsch lernen wollen. Eigentlich für Asylbewerber, aber überwiegend sind es solche Menschen, die hier leben, dauerhaft oder vorrübergehend. Sehr interessante Personen habe ich da kennengelernt.

Das erste Mal war es eine Russin, eine Ingenieurin, die in die USA ausgewandert ist und dort bei einem Zuliefererbetrieb von Siemens arbeitet. Sie ist jetzt hier für drei Monate, schnuppert ein bisschen bei Siemens und lernt Deutsch, wegen der Zusammenarbeit.
Sie war sehr charmante, ältere Dame die mit großen Augen auf diese komplizierte Sprache schaute, aber willens war, sich ihr zu stellen: "Fraggen Sie mich!" forderte sie mich eindringlich auf und drückte meinen Arm.

Beim zweiten Mal verbrachte ich die Zeit mit einer Elektrikerin aus dem Irak, die schon sehr lange hier lebt, alleinerziehende Mutter von drei Kindern und berufstätig. Sie kommt, um ihr Deutsch zu verfeinern, meist sitzt sie allein an einem Computer oder holt sich Übungsbücher aus dem Regal. Ihr mittlerer Sohn war dieses Jahr der Beste seines Jahrgangs von München oder Bayern, ich habe es nicht genau verstanden, aber sie war natürlich sehr stolz.

Und dann sprach ich mit einem Journalisten aus Pakistan, der nach anfänglicher Starrheit in einen endlosen, schwer zu deutenden Redestrom ausbrach und sofort meine Telefonnummer haben wollte zwecks weiterer persönlicher Betreuung.

Und heute war meine Schülerin eine junge bulgarische Psychologin die in Bozen lebt, wo sie hauptsächlich Italienisch spricht und ein bisschen Deutsch. Sie hat mit Flüchtlingen gearbeitet, aber es wurde dann zu belastend, so dass sie gekündigt hat. Für eine gute Stelle muss sie ihr Deutsch verbessern, darum macht sie jetzt für zwei Monate einen Deutschkurs hier. Ihre Grammatikkenntnisse übersteigen meine bei Weitem, ich habe mir sofort ein Buch über Grammatik geholt. Das muss ich jetzt mal lernen.
Heute übten wir Präpositionen, aber ich konnte ihr nicht erklären, warum wir in die Berge gehen, auf dem Berg wandern, zum Berg fahren, über die Berge spazieren. Ich wusste es einfach nicht. Wo ich eh so gut wie nie in den Bergen bin...


Die Asylsuchenden kommen eher spärlich, weil sie in der Regel zu deprimiert und verzweifelt sind, um zu lernen.
Deutsch ist einfach auch verteufelt schwierig, das merke ich immer mehr. Ich bewundere die Fähigkeit der anderen, diese Sprache lernen zu können.

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