Donnerstag, 19. April 2018

Faust

Gestern traf ich mich mit meinen ehemaligen Kolleginnen S und L, was wunderbar war. Die Stadt blüht und strahlt und wir blühten und strahlten und saßen draußen vor dem Lokal in einem Wirbel von Kirschblüten. „Die kann man essen“, sagte L, die Biologin, so dass wir sie nicht rauspicken mussten aus Tellern und Gläsern. Die beiden verstanden meine Fluchtgedanken aufs Land, denn München würde immer voller werden, sagten sie.








Ich ging dann in die Stadt, meinen Fotoapparat zur Reparatur bringen. Ich behauptete, jemand anderes hätte die Karte verkehrt herum in den Apparat gesteckt. „Die kann man gar nicht verkehrt rum reinstecken!“ sagte der Verkäufer entschieden. Dann sah er mich misstrauisch an: „Außer mit Gewalt.“ Ich wurde rot und nickte: „Ja, mit Gewalt.“ Mann! Muss ich mich demütigen lassen von dem Verkäufer! Jetzt wird die Kamera eingeschickt. Ich kaufte ein Ladegerät für meine kleine alte Canon und haben nun DREI Kameras...






In München ist 2018 ja ein Faustfestival: Ein Drama. Eine Stadt. Hunderte Events. Was für ein münchnerischer Titel. So lieben sie es: pompös und modern zugleich. Die Vorstellung von "Hunderten Events" löst bei mir ein leichtes Grauen aus, aber München ist die Event-Stadt schlechthin.
Ich ging trotzdem gestern in den Vortrag von Ernst Pöppel, den ich sehr schätze: Am Anfang war die Tat. Faust als Hirnforscher. Es war im Audimax, in der LMU.



Ich bin gescheitert. Einmal akustisch, sein Mikro war so schlecht und dann inhaltlich. Ich habe immer nur Bruchstücke verstanden, aber konnte dazwischen keinen Zusammenhang herstellen.

Die Sprache ist genetisch vorgegeben, muss aber durch die Umwelt bestätigt werden, d.h. die Umwelt setzt einem nicht irgendwas ins Hirn, sondern sie bearbeitet das, was da ist.

Allen Organismen geht es nur um eines: sie wollen im Gleichgewicht sein. Auch Einzeller trachten danach: sie wollen dahin, wo es besser, z.B. heller, ist. Wie machen sie das? Durch vergleichen, d.h. sie müssen zwei Messungen machen. Sind die beiden Werte gleich, sind sie angekommen. Damit der erste Wert nicht vergessen wird, muss das alles in einem überschaubaren Zeitfenster stattfinden. Dieses Vergleichen sei ein absolut elementares Programm aller Lebewesen.

Dann kam ein Exkurs zu Descartes, ohne den ja überhaupt niemand mehr auskommt. Ich habe den Eindruck, alle Geisteswissenschaftler oder Esoteriker und auch die komplett Geistlosen reiben sich an seinem Cogito. Jetzt auch Pöppel, der ihn auf Französisch zitierte. Ihm ging es um den Dualismus von Körper und Geist, den Descartes postulierte, immer verknüpft mit Faust-Zitaten, die er aber so schnell sprach, dass ich ihn nie verstand.

Das Ich: ein Museum mit Bildern von mir selbst.

Das Gehirn: alle Nervenzellen sind eng, eng verbunden, über nur vier Schritte. So sei das auch mit der Menschheit: alle sind mit allen über nur vier Schritte verbunden, d.h. alle Menschen, die ich kenne, sind verbunden mit denen, die sie kennen, wodurch ich mit denen verbunden bin und dann mit denen, mit denen die jeweils verbunden sind etc.  - vier Schritte, dann habe ich alle im Adressbuch.

Dann kam er zur inneren Uhr, darüber hatte ich gelesen und finde es sehr spannend. Alle Lebenwesen sind getaktet in einem 3-Sekunden-Takt. Das sähe man an Verszeilen von Gedichten, die immer drei Sekunden lang seien, das sähe man an Begrüßungen, die komisch sind, wenn sie länger oder kürzer als drei Sekunden sind -  drei Sekunden sei der natürliche Rhythmus eines Händedrucks.
Das ist in allen Kulturen gleich, sagte er, diese 2,5 bis 3 Sekunden sei der operative Bereich, in dem das Leben agiert, ein Grundprinzip des Lebens. Wissenschaftler lieben ja die Grundprinzipien. Selbst das Meeresrauschen würden in so einer Frequenz (3 Hertz) ablaufen. Das habe ich jetzt überhaupt nicht mehr verstanden, ich - als Expertin für Meeresrauschen. Da muss ich nochmal nachforschen.

http://linde127.blogspot.de/2016/12/street-view.html Weiter